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Grundlagen der Theaterpädagogik

 

Grundlagen der Theaterpädagogik:

Die Theaterpädagogik bezieht sowohl künstlerisch-kreative, als auch soziale, pädagogische und kognitive Aspekte gleichermaßen ein und bildet die Grundlage der Theaterarbeit. Alle Bereiche der Mitspieler, also Körper, Seele und Geist, Bewegung, Fühlen, Denken und Handeln werden angesprochen und einbezogen. Theaterspielen als eine Form des Lernens vermittelt immer ganzheitliche Erfahrungen.

Bausteine zur Theaterarbeit, Entwicklung eines Theaterprojektes, eines Theaterstückes:

        Aufwärmen
        Körpersprache / Spiele
        Sprach-, Stimm-, Lautspiele
        Rollen / Figuren spielen
        Geschichten erfinden / spielen
        Stückentwicklung
        Texte und oder Lieder entwickeln, dichten, reimen
        Theaterproben
        Kostümgestaltung
        Bühnengestaltung
        Generalprobe
        Premiere

Aufwärmen:

Zu Beginn der Theaterarbeit, geht es erst einmal darum, dass alle Teilnehmer, auf allen Ebenen Spaß und Freude am Spiel haben. Deshalb fangen wir immer mit dem sogenannten Aufwärmen an. Hierbei geht es tatsächlich auch darum warm zu werden, sowohl körperlich, als auch miteinander, in der neuen  Gruppe. Hier finden unterschiedliche Spielabläufe, unter Einbeziehung von Bewegungen, Sprache,  Laute und Rhythmus usw, statt. Dabei geht es oft um Gegensätze: schnell – langsam, groß – klein, laut – leise, ängstlich – mutig etc.  Dies geschieht in der Regel in der Gesamtgruppe oder paarweise.

Körpersprache / Spiele:

Spiele ohne Worte nehmen zu Beginn einer entstehenden Gruppe einen großen Raum ein. Es gelingt allen Kindern sich nonverbal auszudrücken. In Partnerschaft, Kleingruppe oder einzeln werden pantomimisch verschiedene Situationen, Tiere, Menschen, Reaktionen vorgespielt und von den anderen Mitspielern erraten. Hier fließt nach und nach, wenn das Vertrauen in der Gruppe entstanden ist,  auch die Möglichkeit ein, die Darstellungen gegenseitig zu korrigieren  und somit noch klarere Ausdrucksweisen auszuprobieren. Auch beziehen wir hier gern Musik, Tanz und Rhythmik ein.

Sprach-, Stimm-, Lautspiele:

Was kann die Stimme hervorrufen, welche Laute können wir von uns geben, wie kann ein Wort, ein Satz unterschiedlich ausgesprochen und betont werden? Laut und leise, schnell und langsam, schrill und zaghaft usw.  ängstlich, mutig, zornig, feige, lustig, traurig etc. Es wird  immer mit der Gesamtgruppe begonnen diese Übungen zu machen. Nach einigen Übungsstunden ist es möglich auch Paarübungen zu machen. Es geht zu Anfang nicht um Textübungen, sondern darum die Stimme für bestimmte Stimmungen und Situationen sensibel zu machen, die Stimme unterschiedlich zu gebrauchten, sich darüber auszudrücken lernen.  Später kommen Wortübungen, Einsatz Etüden, Gedichte, Texte und Dialoge hinzu.

Rollen / Figuren spielen:

Durch die vorangegangenen Abschnitte sind die Kinder mehr und mehr in der Lage sich in bestimmte Rollen und Figuren hineinzuversetzen. Sie haben mit der Zeit auch bei sich feststellen können, welche Art von Rollen sie bevorzugen, in welcher Figur sie sich wohlfühlen können. Dieser Abschnitt dient somit bereits dazu Rollen und Figuren zu entwickeln und sich in diesen zu üben. Dies geschieht z.B. anhand verschiedener Worte, Sätze oder kleiner Situationen o.ä. Die Kinder entscheiden sich wen oder was für eine Figur oder Rolle sie darstellen wollen. Die Gruppe wird geteilt. Die Aufgabe der Kinder ist es nun in ihre Rolle zu schlüpfen und aus dem Wort, dem Satz oder der Situation o.ä. Ideen zu sammeln, den Inhalt zu einer kleinen Szene  zu entwickeln und einzuüben, um sie sich dann gegenseitig vorzuführen.

Geschichten erfinden / spielen:

In diesem Abschnitt geht es um die Frage, wie kommen wir zu einer Geschichte? Wir können, wie oben beschrieben,  von den Rollen oder Figuren ausgehen, die sich die Kinder aussuchen und daraus eine Geschichte erarbeiten. Wir können uns eine Begebenheit ausdenken und uns überlegen, wer dabei welche Rolle spielen könnte. Wir können ein Gedicht, einen Ort, ein Lied, einen Gegenstand oder ein Gefühl etc.  als Grundlage nehmen und daraus eine Geschichte entwickeln. Wir können mit allen Kindern eine Kettengeschichte entwickeln. Es gibt sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten und hängt immer sehr von der jeweiligen Gruppe ab, welche Art von Geschichten erfunden werden. Wichtiger Ansatz hierbei ist es, sich zu der möglichen Geschichte, immer wieder in Kleingruppen einzelne Abschnitte oder Szenen auszudenken und sie, wie auch bei der Rollen- und Figurenfindung, sich gegenseitig vorzuspielen. Dabei gewinnen alle Kinder mehr und mehr an Sicherheit und Selbstvertrauen, was eine Wichtige Voraussetzung für die spätere Aufführung vor fremdem Publikum ist.

Stückentwicklung:

Es gibt mehrere Möglichkeiten in welche Richtung die Stückentwicklung geht. Immer steht aber im Mittelpunkt, dass die Kinder ihr eigenen Ideen und Möglichkeiten einbringen. Bei dieser Arbeit lernen sie gleichzeitig den Aufbau eines Stückes: Anfang, Spannung, Höhepunkt, Lösung, Schluss,  und erkennen während des Entwickelns und des Spielens der Ideen, wie wichtig die einzelnen Abschnitte dramaturgisch für das gesamte Theaterstück sind.  Hier wird mit den Kindern entschieden was gespielt wird, also Inhalt der Geschichte, wer was spielt, wie wer spielt und wann wer spielt etc. Auf diesem Weg entsteht dann auch das Drehbuch.

Texte und oder Lieder entwickeln, dichten, reimen:

Zu jedem Theaterstück werden Texte, Reime und/oder Lieder -texte und  -melodien ausgedacht und verfasst, an den passenden Stellen des Drehbuches eingebaut.

Theaterproben:

Steht also das Stück fest, ist das Drehbuch geschrieben, kennen alle Mitspieler ihre Rolle und fühlen sich darin wohl, gehen die Regelmäßigen Theaterproben los. Zu Anfang wird das gesamte Stück einmal, quasi in Kladde durchgespielt, damit alle schon mal ein Gefühl dafür bekommen, wie es in etwa laufen kann. Hier gibt es immer noch die Möglichkeit Veränderungen zu besprechen oder Szenen rauszunehmen usw. Nach und nach wird der Ablauf dann verfestigt. Von diesem Zeitpunkt an werden die einzelnen Szenen geübt, aneinander-gesetzt, wieder geübt, bis alle ein gutes Gefühl haben.

Musikalische Begleitung:

Wir haben das Glück, dass sich unter unseren Eltern immer auch Musiker befinden, die für unsere Aufführungen die musikalische Begleitung übernehmen. Sobald das Theaterstück Formen annimmt beginnt auch mit den Musikern die Arbeit. Wir sammeln gemeinsam Ideen für die Texte, Rhythmus und Melodie und halten sie fest. Die Aufgabe der Musiker besteht nun darin sich bei mehreren Treffen zu proben und einzuspielen. Die Musik spielt einerseits im Hintergrund, andererseits unterstreicht sie die unterschiedlichen Spannungen.

Kostümgestaltung:

Zunächst hat jeder die Aufgabe für sich zu überlegen, was an Verkleidung gebraucht wird. Dies schreiben wir für alle auf. Jeder stellt  soviel wie möglich selbst zusammen und probiert es an, um zu sehen, ob etwas daran verändert werden muss. Inzwischen haben wir einen recht großen Theaterfundus, so dass die Kinder hier bereits eine große Auswahl haben. Spezielles muss entweder angefertigt, geliehen, besorgt oder gekauft werden. Unser Motto lautet immer, alles was wir selbst machen können, machen wir selbst. wichtig ist uns allerdings, dass die Kostüme, wie auch die Bühne möglichst stabil und perfekt sind. Auch dies spielt für die Kinder eine große Rolle und gibt ihnen ihre Sicherheit beim Auftritt. Spätestens zur Generalprobe muss die Ausstattung fertig sein.

Bühnengestaltung:

Bei der Bühnengestaltung achten  wir immer darauf, dass wir so wenig wie möglich und nur soviel wie nötig an Material für die Bühne benutzen. Damit bauen ein Bühnenbild, welches umfassend zu dem Theaterstück passt. Große Umbauphasen können wir dadurch ausklammern. Auch hier haben wir inzwischen eine reichhaltige Auswahl unterschiedlicher Einzelteile, die wir durch wechselnde Kombinationsmöglichkeiten immer wieder neu einbeziehen können. Dadurch ist es häufig nur nötig ganz spezielle, dem Theaterstück entsprechende Einzelheiten anzufertigen.

Generalprobe:

Die Generalprobe ist für alle ein sehr aufregender, wichtiger Moment. Hier wird das Theaterstück mit Kostümen, Requisiten und dem entsprechendem Bühnenbild, sowie mit der musikalischen Begleitung ein letztes mal gespielt,. Hier werden dann letzte, mögliche Änderungen, ob an Kostümen, Requisiten, Text oder Bühnenbild und oder der Musik besprochen und vorgenommen.

Premiere:

Das Bühnenbild ist aufgebaut. Alle Mitspieler kommen eine halbe Stunde vor der eigentlichen Aufführung, damit genügend Zeit ist, dass sich alle in Ruhe vorbereiten können. Umziehen, Schminken, frisieren, letzte Details besprechen und die allgemeine Aufregung, das „geliebte“ Lampenfiber in den Griff zu bekommen. Die Aufregung ist immer recht groß, so dass es sehr wichtig ist, allen die Sicherheit zu zusprechen, die sie brauchen. Alle wissen zu diesem Zeitpunkt, dass es jetzt auf jeden ankommt und alle sind entsprechen aufgeregt. Rituale sind hier ein wichtiges Hilfsmittel. Ein Glücksstein oder ein individueller Talisman ebenso, wie beispielsweise der gemeinsame Kreis, der mit allen Beteiligten gebildet wird, wo sich alle anfassen und sich toi, toi, toi gewünscht wird, bevor die Vorführung beginnt. Wichtig ist auch, dass den Kindern vertrauensvolle Bestätigung und Sicherheit vermittelt wird. Dadurch haben die Kinder auch entsprechendes Selbstvertrauen und fühlen sich in ihrem Tun sicherer.

Filmaufnahme:

Jedes Theaterstück wird von einem Elternteil gefilmt, geschnitten und auf DVD kopiert. Diese DVD bekommt jedes Theaterkind. Wir schauen uns den Film gemeinsam in der Theatergruppe an, um auch die möglichkeit der konstrukiven Kritik zu üben.

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